Um kurz nach sechs ging es am Donnerstagabend vor den Osterferien los: in einer beeindruckenden und mitreißenden Aufführung präsentierten die Schüler_innen der Jahrgangstufe 6 des Dreikönigsgymnasiums in der vollbesetzten Aula des Berufskollegs in der Escher Straße ihre Ergebnisse einer Woche intensiver Arbeit zum Thema Dear Future … – dieser schöne große Raum stand als Aufführungsort zur Verfügung, denn als CampusSchule verfügt das Dreikönigsgymnasium derzeit über keine Aula. 

In diesem Jahr setzten sich die Schülerinnen und Schüler kritisch mit dem Thema Zukunft auseinander, entführten ihr Publikum in zukünftige Welten und verflochten in ihren Beiträgen wieder sinnlich Erlebbares mit drängenden Gegenwartsthemen wie Umweltverschmutzung, Klimaveränderung, Nachhaltigkeit, Lebensräumen und -bedingungen sowie Krieg. Die Schüler_innen zogen das Publikum immer wieder in ihren Bann: sie begeisterten und überraschten, irritierten und informierten und regten so immer wieder an, innezuhalten und sich selber Gedanken zu machen. Souverän und unterhaltsam führte das Moderatorenteam durch das Programm. Zwischen den einzelnen Nummern konfrontierten immer zwei Moderatorinnen spotlichtartig das Publikum mit kurzen knappen und gut recherchierten Fakten zum Thema Zukunft, während die anderen Moderatoren die einzelnen Nummern geschickt anmoderierten und durch geschicktes Fragen ihren Mitschüler_innen und Lehrer_innen interessante Informationen über deren Arbeit und Eindrücke in der Projektphase entlockten.

Los ging es mit einer faszinierenden Upcycling-Performance, die das Publikum sehr fantasievoll auf das Thema einstimmte: die Schüler_innen hatten aus Müll Kostüme entworfen und hergestellt. Jedes Kostüm präsentierte – kunstvoll am Körper arrangiert und drapiert – ein anderes Abfallprodukt, seien es Plastiktüten, Papierrollen oder Corona-Test-Tütchen, wobei jedes Kostüm ein einziges Material in Szene setzte. Dazu rezitierten die Schüler_innen mitunter erschreckende Fakten zum Thema Müllverbrauch – sie hatten in den vergangenen Tagen gründlich zu ihrem Abfallprodukt recherchiert.

Revue Müll Kostüme

Im Anschluss gab es den ersten Rap zu hören, die weiteren folgten im Laufe des Abends zwischen den weiteren Nummern eingestreut. Die Schüler_innen präsentierten zu zweit oder zu dritt auf der Bühne selbstgetextete Raps begleitet von coolen, z.T. selbst produzierten Beats vom Band, die es inhaltlich und rhythmisch in sich hatten – alles solistisch vorgetragen, selbstverständlich auswendig und in einer Weise, als machten sie nichts anderes und lieber. Rap vom Feinsten! Das war stark, kam immer wieder an, ließ das Publikum mitfiebern und ließ den Energiepegel im Saal steigen. Sehr hörenswert.

Revue Rap

Sehenswert hingegen waren die Darbietungen der Schüler_innen, die sich für das Thema Zukunftsstadt entschieden hatten. In den vier Tagen hatten sie gemeinsam ein Großflächenplakat erstellt mit Landschaften, Lebewesen, Gebäuden, Verkehrsmitteln, Pflanzen der Zukunft und vielem mehr. Sie haben gezeichnet, gemalt, gedruckt, ausgeschnitten und geklebt und entstanden ist ein wunderschönes farbenprächtiges und detailreiches (Wimmel-)Bild mit fantasievollen und leuchtend bunten Wasserwesen, begrünten Häusern, abgefahrenen Luftmaschinen und zarten Friedenstauben – um einen kleinen Eindruck zu vermitteln. Es lädt ein, sich in Ruhe und mit Zeit hineinzuversinken und zu schauen. Wir werden es aufhängen.

Revue Wandbild

Sodann trugen Schüler_innen eigene Textproduktionen vor: zwei Tagesschausprecher verlasen die neusten Nachrichten aus der Zukunft, es wurden Sprachspiele, Erzählungen und Comics vorgetragen – von sachlich bis spannend und unheimlich gefährlich und jedes in seiner eigenen Sprache. Und immer wieder die Frage: wie wird unser Leben in Zukunft aussehen? Was wird uns beschäftigen? Was wünschen, was ängstigt uns? Es wurde offensichtlich, wie sehr die Corona-Situation und vor allem der Lockdown die Schüler_innen verunsichert hat und nach wie vor beschäftigt: sie imaginierten ein Szenario im Jahre 2078, das geprägt war von einer schweren Wirtschaftskrise mit dauerhaften Schulschließungen und totaler Isolation. Das Publikum war beeindruckt oder gebannt? So entstand Raum für Emotionen und Assoziationen.

Danach ging es ganz konkret in die Zukunft. Mit Theater und einer Zeitmaschine. Die Schüler_innen zeigten, wie es sein könnte in der Zukunft und schlüpften dafür in ganz verschiedene Rollen: menschenähnliche Roboter kommen im Alltag zum Einsatz, Computersprache dominiert die Kommunikation und vieles mehr. In vier Tagen entwickelten die Schüler_innen ihr Drehbuch und brachten die Stories selbstbewusst, ausdrucksstark und stimmgewaltig (ohne Mikro!) auf die Bühne: Sprechweise, Bewegung im Raum, Gestik, Mimik, Zusammenspiel – alles sitzt. Eine beeindruckende Leistung der zwölf Sechsklässler.

Revue Theater

Die Ohren spitzen und lauschen – das war gefragt bei den acht Soundscapes / Soundcollagen, die nun durch die Soundanlage der Aula eingespielt wurden. Die SchülerInnen hatten sich in der kurzen Zeit in die anspruchsvolle und vielschichtige Musikapp GarageBand eingearbeitet, Sounds selber aufgenommen oder hochgeladen und daraus Klanginstallationen produziert von jeweils einer Minute Länge. Der Fokus war ganz unterschiedlich und die verarbeiteten Sounds reichten von solchen, die es in der Zukunft nicht mehr geben wird, über Soundvariationen einzelner Naturphänomene (Wasser, Wind, Feuer), konkreten Soundveränderungen (z.B. durch Elektroautos oder Umweltgeräusche) bis hin zu neuen (Fantasie-)Sounds, etwa wenn ein Ufo landet oder aus Laufgeräuschen Schwebesounds werden. Die Schüler_innen führten jeweils kurz in jede Produktion ein (ohne zu spoilern!) und entsprechend konzentriert hörte das Publikum hin und ließ sich in die Klangwelten entführen. Sehr faszinierend.

Wie man sich tänzerisch mit dem Thema Zukunft auseinandersetzen kann, das zeigten die Tänzerinnen in beeindruckender Weise und man konnte ihnen geradezu ansehen, wie viel Freude sie in den vergangenen Tagen hatten. Zuerst tanzten sie eine von ihnen entwickelte Mindmap zum Thema Zukunft: sie setzten verschieden farbige Plakate ein, auf denen sie die zentralen Begriffe notiert hatten, und präsentierten diese zu cooler Musik in raffinierten und schnellen Bewegungsfolgen immer wieder neu zu einem Ganzen – sehr beeindruckend. Im zweiten Teil präsentierten die Schülerinnen Musiksongs zum Thema Zukunft, die sie selbst zusammengestellt hatten, und entwickelten dazu eine mitreißende Choreografie, bei der immer wieder einzelne Soli perfekt in abwechslungsreiche und interessante Schrittfolgen integriert waren – auf diese Weise entstanden nicht nur zwei von tänzerischer Eleganz geprägte Darbietungen, sondern es wurde auch immer wieder der Bezug zum Thema hergestellt.

Revue Tanz

Wie auch schon in den letzten Jahren wurde am Ende des Abends wieder eine rasante und perfekt von den Schüler_innen organisierte Quizshow geboten: ausgewählte Kandidat_innen aus den vier 6. Klassen hatten z.T. extrem knifflige und anspruchsvolle Fragen – natürlich – rund um das Thema Zukunft zu lösen. Großes Kompliment an die Schüler_innen für die Herauspräparierung derart heraufordernder und zugleich witziger Fragen, für Bühnenaufbau und Ablaufregie – es lief alles „wie am Schnürrchen“. Dem Original entsprechend mussten ausgewählte Kinder aufs richtige Feld 1, 2 oder 3 springen und anschließend wurde jeweils die Frage aufgelöst. Dieses Jahr war keine Stichfrage nötig, um den Gewinner zu bestimmen (herzlichen Glückwunsch an die 6a!) und die letzte Frage ging daher ans Publikum. Wieder eine Riesengaudi und in diesem Jahr mit allen Schüler_innen, die von der Empore aus mitfieberten.

Revue Quizshow

Beschwingt von Somewhere over the rainbow, das zum Abschluss vom Bläserensemble gespielt wurde, versammelten sich alle Beteiligten auf der Bühne und ließen sich vom Publikum ein letztes Mal dankbar feiern. Es war ein in jeder Hinsicht gelungener Abend und entsprechend groß war auch der Applaus des Publikums.

Vielen Dank allen, die zum Gelingen der Projektwoche der Jahrgangstufe 6 und der Aufführung beigetragen und unseren Schülerinnen und Schülern auf diese Weise ermöglicht haben, einmal ganz andere (Lebens-)Erfahrungen zu machen: den Lehrer_innen des Dreikönigsgymnasiums, die in den Projektgruppen mit den Schülerinnen und Schülern eine Woche lang intensiv gearbeitet haben, die Vertretungen oder andere Dienste übernommen haben, ferner Makke Schneider, (Schauspiel), Liam Schäfer (Rap) und Laura Trompetter von SpotlightExperience gUG (Tanz), dem Technikteam, das in diesem Jahr nur aus einem Schüler bestand – Danke Jakob, dass du mit bewundernswerter Ruhe und immer im richtigen Moment Mikros, Abspielgerät, Leinwand, Licht und Ton gesteuert hast –, und allen, die sich mit den Schüler_innen über das Projekt gefreut und sie auf diese Weise bestärkt haben.


Bettina Hinterthür
Musiklehrerin